Geschichte

30 Jahre Ambulante Soziale Dienste des ASB Mainz-Bingen

In diesem Jahr kann die Sozialstation des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Bretzenheim einen besonderen Geburtstag feiern: 30 Jahre Ambulante Soziale Dienste in Mainz. Ein Blick zurück.

Foto: ASB Mainz-Bingen

Die ASB-Sozialstation und ihre Dienstleistungen sind heute aus Mainz, und besonders aus Bretzenheim, nicht mehr wegzudenken – die Wurzeln allerdings liegen in der Kaiserstraße. In der zweiten Jahreshälfte 1989 wurden die „Mobilen Sozialen Hilfsdienste (MSHD)“ des ASB Mainz dort gegründet. Seine Aufgaben sah diese neue Abteilung in der Unterstützung älterer und kranker Menschen in ihrem Zuhause. Dazu gehörte die pflegerische Betreuung ebenso wie Hilfeleistungen im Haushalt oder die Begleitung zu Arzt- oder anderen Terminen. Eine Krankenschwester und mehrere Zivildienstleistende kümmerten sich in der Anfangszeit um die Klienten. Die Aufgaben an sich waren nicht neu, bereits seit 1972 unterstützte der ASB unter dem Begriff „Familienpflege“ Menschen in ihrem Zuhause, wann immer es nötig wurde. Überwiegend ging es um hauswirtschaftliche Unterstützung, seltener um medizinische, die Bezahlung erfolgte häufig sogar noch mit Sachwerten, schließlich waren die meisten ehrenamtlich im Einsatz.

1989 wurden diese Dienstleistungen organisatorisch als „Mobile Soziale Hilfsdienste (MSHD)“ zusammengefasst. Seit seiner Gründung ist dieser Bereich des ASB kontinuierlich gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Wesentliche treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war die heutige Pflegedienstleitung Erika Hentges, die sich 1991 als Altenpflegerin beim ASB beworben hatte - und als Leiterin der MSHD eingestellt wurde. 25 Kundinnen und Kunden gab es 1991, erinnert sie sich.

Bis die Sozialstation nach Bretzenheim kam, gab es allerdings noch einige Zwischenstationen. Von einem Büro in der Kaiserstraße zogen die MSHD als Teil der neu gegründeten Sozialstation 1993 in die Hattenbergstraße. Nur ein Jahr später, 1994, siedelte diese um auf den Lerchenberg, in der Hindemithstraße 6 standen der Sozialstation jetzt immerhin drei Räume zur Verfügung, bei inzwischen rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war der Platz willkommen.

Mit der Einführung der Pflegeversicherung 1995 wurde die Sozialstation Ambulantes Hilfezentrum (AHZ) – und verlor geschätzte Mitarbeiter, wie sich Erika Hentges erinnert: Denn Zivildienstleistende durften nach den Regularien der Pflegeversicherung nicht mehr in der Pflege eingesetzt werden. Für die Sozialstation ein großer personeller Umbruch, und viele Klienten beklagten den Verlust einer von ihnen geschätzten Bezugsperson. Bis zum Ende des Zivildienstes 2011 übernahmen die Zivis Fahrdienste, hauswirtschaftliche Arbeiten oder lieferten das „Essen auf Rädern“ aus, das der ASB 2002 in seine Angebote aufnahm. Ein Jahr zuvor war bereits der Hausnotruf dazugekommen.

Im Jahr 2002 zieht die Sozialstation nach Bretzenheim: In der Ulrichstraße wurde das ASB-Gebäude umgebaut, schon seit 1983 gab es hier eine Altentagesstätte im Willi-Quetsch-Haus. Im Dezember 2002 konnte die Sozialstation einziehen und hatte endlich ausreichend Platz für ihre inzwischen vielfältigeren Aufgaben. 25 hauptamtliche Pflegekräfte, 15 Aushilfskräfte und 8 Zivis arbeiteten zu dieser Zeit in der Sozialstation.
Vorübergehend befand sich in der Ulrichstraße, in den Räumen der ehemaligen Altentagesstätte, seit Oktober 2002 ein städtischer Kindergarten im Ausweichquartier. 2009 wurde dort die erste Tagespflege des ASB Mainz eröffnet, in diesem Jahr kann sie also bereits ihren 10. Geburtstag feiern. Die zweite Tagespflege folgte, wegen der großen Nachfrage, bereits 2014 im Stadtteil Hartenberg-Münchfeld.

Einen „Ableger“ der Sozialstation gibt es seit 2003 auch wieder auf dem Lerchenberg: Der ASB übernimmt die dortige Altentagesstätte. Im Jahr 2012 erhält diese ein modernes Konzept und wird zum ASB-Vitalzentrum. Es bietet vor allem ein vielfältiges Freizeitprogramm für Senioren mit Bewegungsangeboten, informativen Vorträgen, offenem Café u.ä. Dazu gehört auch der Lerchentreff, der seit 2016 an einem Tag in der Woche Demenzkranke betreut. Ein niedrigschwelliges Angebot, das Abwechslung in den Alltag bringt und Angehörige entlastet.

Ohne die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das Angebot der Sozialstation in vielen Bereichen ärmer. Besonders das Vitalzentrum, der Lerchentreff und natürlich die Besuchsdienste leben schon immer vom Engagement Ehrenamtlicher. Der erste dieser Besuchsdienste ist übrigens der Bretzenheimer, „Bretzenheim baut Brücken“, der in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feiert.

In den letzten 30 Jahren haben sich die Mobilen Sozialen Hilfsdienste als Teil der Sozialstation stetig weiterentwickelt: von der hauswirtschaftlichen Versorgung und gelegentlicher Pflege in den Anfängen zu einem vielfältigen Dienstleister. Die ambulante Pflege nimmt heute einen breiten Raum in der Sozialstation ein, flankiert von Hausnotruf, Menüservice, hauswirtschaftlicher Unterstützung, vorübergehender Betreuung und Begleitung bzw. Fahrdiensten. Aktive Senioren treffen sich im ASB-Vitalzentrum zu gemeinsamen Aktivitäten; wenn die Möglichkeiten eingeschränkt sind, sorgt der Besuchsdienst für einen Gesprächspartner oder die Betreuung in der Tagespflege fördert den Pflegebedürftigen bzw. Dementen in der Gemeinschaft.

Rund 300 Personen werden aktuell allein im Bereich der Pflege betreut, insgesamt unterstützt die Sozialstation im Jahr über 1000 Menschen bei der Erhaltung ihrer Gesundheit oder der Genesung von Krankheiten. Die Zahl belegt die zunehmende Bedeutung der Bretzenheimer Sozialstation in den letzten 30 Jahren, eine Erfolgsgeschichte, die eng mit Erika Hentges verbunden ist, die als Pflegedienstleitung seit 28 Jahren die Geschicke der Sozialstation lenkt. Fachlich kompetent und zutiefst menschlich kümmert sie sich nicht nur um die Organisation dieser großen Abteilung, sondern verliert dabei den einzelnen Menschen, der Pflege oder andere Unterstützung braucht, niemals aus dem Blick.

30 Jahre Ambulante Soziale Dienste des ASB Mainz sind ein Grund, gemeinsam zu feiern. Am Sonntag, 19. Mai 2019, wird deshalb vormittags in einem offiziellen Festakt auf die letzten 30 Jahre und auch in die Zukunft geblickt. Zwischen 13 und 16 Uhr präsentiert sich die Sozialstation bei einem Tag der offenen Tür.