Wir helfen seit 1924

Geschichte des ASB in Mainz

Zur Geschichte des ASB Mainz-Bingen

24 Teilnehmer hatte der erste Kurs in Erster Hilfe, den der Arbeiter-Samariter-Bund im Frühsommer 1924 in Mainz durchführte. Er war zugleich die erste öffentliche Aktion der „Mainzer Kolonne“, über deren Gründung nicht mehr viele Informationen vorliegen. Denn die meisten Papiere verschwanden während des Dritten Reiches oder wurden beim Bombenangriff auf Mainz in der Nacht vom 27. Februar 1945 vernichtet.

Als Initiatoren zur Gründung der „Mainzer Kolonne“ werden in den wenigen noch erhaltenen Unterlagen die Gewerkschaftssekretäre Alfred Freitag (erster Ehrenbürger der Stadt Mainz) und Wilhelm Thomas sowie die Stadtverordneten Frau Seering und Paul Möbius genannt.

Zum ersten Vorstand gehörten die Herren Ackermann (Vorsitzender), Huck (Kassierer), Schmelzeisen (Schriftführer), Poppe (Technischer Leiter), Dehner (Materialverwalter) und Fiebig (Beisitzer).

Binnen kürzester Zeit zählte die „Mainzer Kolonne“ 306 aktive und fördernde Mitglieder. Mainzer Ärzte unterstützten von Anfang an tatkräftig die Ausbildungsarbeit und den Sanitätsdienst.

Die Aktivitäten des Arbeiter-Samariter-Bundes weiteten sich ständig aus. Um 1926/27 wurden in Mainzer Vororten und auf der gegenüberliegenden Rheinseite weitere Kolonnen und damit der 7. Bezirk im 16. ASB-Kreis gegründet.

Mit Beginn des Hitler-Regimes 1933 war der Arbeiter-Samariter-Bund verboten. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten das Vermögen des 7. Bezirks (ca. 45.000 Mark), das Kolonnenheim in der Rheinallee 87 in Mainz sowie zwei Krankentransportfahrzeuge.

Im Februar 1955 wurde der Arbeiter-Samariter-Bund in der „Hafenschänke“ in der Frauenlobstraße in Mainz wieder gegründet. Wie 1924 wurden zunächst Erste-Hilfe-Kurse angeboten. Schnell waren die Samariterinnen und Samariter aber auch für Sportplatzbetreuungen und ihre Leistungen in der Hauspflege bekannt.

Heute ist der ASB-Kreisverband Mainz-Bingen ein moderner sozialer Dienstleister und die zweitgrößte Hilfsorganisation in der Landeshauptstadt. Mehr als 10.000 Mitglieder unterstützen unseren gemeinnützigen Verein durch ihren Beitrag.

Foto: ASB Mainz-Bingen

Krankentransport in den 1950er-Jahren - unser Oldtimer

Dieses Auto ist heute einzigartig: Rund zehn Jahre lang haben Mitarbeiter des ASB-Kreisverbandes Mainz-Bingen in ihrer Freizeit einen Krankenwagen aus den 1950er-Jahren restauriert.

Aus der Pfalz war der Opel Olympia, der heute als Ausstellungsstück dient, nach Mainz geholt worden. Ernst Heller, ein passionierter Modellbauer, hatte bei einer Sitzung des ASB-Landesvorstands mal davon gehört, „dass irgendwo in der Pfalz noch so ein Auto rumstehen sollte“. Zusammen mit Milton Scheeder machte er sich auf die Suche. In einer Scheune in Speyer wurden die beiden fündig. Für ein Funkgerät wechselte das Fahrzeug dann den Besitzer.

Milton Scheeder war es auch, der in den folgenden Jahren mit großem persönlichen Engagement geplant, koordiniert, restauriert, organisiert und motiviert hat, sodass seit 2002 in der Fahrzeughalle des Arbeiter-Samariter-Bundes in der Hattenbergstraße stetig an dem Oldtimer gearbeitet wurde.

Stefan Eydt erinnert sich noch ganz genau an den Zustand, in dem der Opel Olympia, Baujahr 1955, nach Mainz gekommen ist: „Man konnte mit den Füßen bremsen. Wer auf dem Fahrersitz saß, hatte nur eine Matte zwischen sich und dem Boden.“

Die Karosserie hatte nicht nur an dieser Stelle ein Loch. Sascha Strunk verbrachte viel Freizeit damit, den Rost zu entfernen. Erst mit der Flex, dann wurde Zentimeter für Zentimeter geschmirgelt und geschliffen. Achsen, Bremsen, Federung, Lenkung, Motor und Getriebe – vieles musste instand gesetzt oder ausgetauscht werden. Selbst das Sechs-Volt-Blaulicht funktioniert nun wieder.

Die neuen schlauchlosen Reifen kommen aus Rumänien. Einige Ersatzteile wurden in Holland bei einem Oldtimer-Händler besorgt. Am aufwändigsten war die Restaurierung der Inneneinrichtung samt Trage und die Liebe zum Detail. So verbrachte Stefan Eydt viel Zeit damit, im Archiv des Bundesverbandes nach originalgetreuen ASB-Emblemen aus den 50er Jahren zu suchen. Insgesamt brauchte es mehr als 4.000 Arbeitsstunden, um den Krankenwagen wieder sehenswert und fahrtüchtig zu machen.

Der ASB-Kreisverband dankt den an der Restaurierung des Oldtimers beteiligten Firmen für die Unterstützung: Autoglas Reifenberger GmbH, Autosattlerei Doll, Autotechnik Janssen, Karosseriebau Scherer, Mainzer Verkehrsgesellschaft mbH, Opel Becker GmbH & Co. KG, Peper & Co. GmbH, Schreinerei Vlatten & Ludwig GbR.

Unser Oldtimer und der Nachbau einer historischen Rädertrage bilden die Grundlage des Vereins zum Erhalt historischer Rettungsdienstfahrzeuge Mainz e.V. Wenn Sie Interesse haben, sich zu engagieren, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Verein zum Erhalt historischer Rettungsdienstfahrzeuge Mainz e.V. Mail: sekretariat(at)asb-mainz.de

Werbeflyer für die neu gegründeten Sozialen Dienste des ASB Mainz

Foto: ASB Mainz-Bingen

30 Jahre ambulante soziale Dienste 2019

In der zweiten Jahreshälfte 1989 wurden die „Mobilen Sozialen Hilfsdienste (MSHD)“ des ASB Mainz dort gegründet. Seine Aufgaben sah diese neue Abteilung in der Unterstützung älterer und kranker Menschen in ihrem Zuhause. Dazu gehörte die pflegerische Betreuung ebenso wie Hilfeleistungen im Haushalt oder die Begleitung zu Arzt- oder anderen Terminen. Eine Krankenschwester und mehrere Zivildienstleistende kümmerten sich in der Anfangszeit um die Klienten. Die Aufgaben an sich waren nicht neu, bereits seit 1972 unterstützte der ASB unter dem Begriff „Familienpflege“ Menschen in ihrem Zuhause, wann immer es nötig wurde. Überwiegend ging es um hauswirtschaftliche Unterstützung, seltener um medizinische, die Bezahlung erfolgte häufig sogar noch mit Sachwerten, schließlich waren die meisten ehrenamtlich im Einsatz.

1989 wurden diese Dienstleistungen organisatorisch als „Mobile Soziale Hilfsdienste (MSHD)“ zusammengefasst. Seit seiner Gründung ist dieser Bereich des ASB kontinuierlich gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Wesentliche treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war die heutige Pflegedienstleitung Erika Hentges, die sich 1991 als Altenpflegerin beim ASB beworben hatte - und als Leiterin der MSHD eingestellt wurde. 25 Kundinnen und Kunden gab es 1991, erinnert sie sich.

Bis die Sozialstation nach Bretzenheim kam, gab es allerdings noch einige Zwischenstationen. Von einem Büro in der Kaiserstraße zogen die MSHD als Teil der neu gegründeten Sozialstation 1993 in die Hattenbergstraße. Nur ein Jahr später, 1994, siedelte diese um auf den Lerchenberg, in der Hindemithstraße 6 standen der Sozialstation jetzt immerhin drei Räume zur Verfügung, bei inzwischen rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war der Platz willkommen.

Mit der Einführung der Pflegeversicherung 1995 wurde die Sozialstation Ambulantes Hilfezentrum (AHZ) – und verlor geschätzte Mitarbeiter, wie sich Erika Hentges erinnert: Denn Zivildienstleistende durften nach den Regularien der Pflegeversicherung nicht mehr in der Pflege eingesetzt werden. Für die Sozialstation ein großer personeller Umbruch, und viele Klienten beklagten den Verlust einer von ihnen geschätzten Bezugsperson. Bis zum Ende des Zivildienstes 2011 übernahmen die Zivis Fahrdienste, hauswirtschaftliche Arbeiten oder lieferten das „Essen auf Rädern“ aus, das der ASB 2002 in seine Angebote aufnahm. Ein Jahr zuvor war bereits der Hausnotruf dazugekommen.

Im Jahr 2002 zieht die Sozialstation nach Bretzenheim: In der Ulrichstraße wurde das ASB-Gebäude umgebaut, schon seit 1983 gab es hier eine Altentagesstätte im Willi-Quetsch-Haus. Im Dezember 2002 konnte die Sozialstation einziehen und hatte endlich ausreichend Platz für ihre inzwischen vielfältigeren Aufgaben. 25 hauptamtliche Pflegekräfte, 15 Aushilfskräfte und 8 Zivis arbeiteten zu dieser Zeit in der Sozialstation.
Vorübergehend befand sich in der Ulrichstraße, in den Räumen der ehemaligen Altentagesstätte, seit Oktober 2002 ein städtischer Kindergarten im Ausweichquartier. 2009 wurde dort die erste Tagespflege des ASB Mainz eröffnet, in diesem Jahr kann sie also bereits ihren 10. Geburtstag feiern. Die zweite Tagespflege folgte, wegen der großen Nachfrage, bereits 2014 im Stadtteil Hartenberg-Münchfeld.

Einen „Ableger“ der Sozialstation gibt es seit 2003 auch wieder auf dem Lerchenberg: Der ASB übernimmt die dortige Altentagesstätte. Im Jahr 2012 erhält diese ein modernes Konzept und wird zum ASB-Vitalzentrum. Es bietet vor allem ein vielfältiges Freizeitprogramm für Senioren mit Bewegungsangeboten, informativen Vorträgen, offenem Café u.ä.

Ohne die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das Angebot der Sozialstation in vielen Bereichen ärmer. Besonders das Vitalzentrum, der Lerchentreff und natürlich die Besuchsdienste leben schon immer vom Engagement Ehrenamtlicher. Der erste dieser Besuchsdienste ist übrigens der Bretzenheimer, „Bretzenheim baut Brücken“, der in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feiert.

In den letzten 30 Jahren haben sich die Mobilen Sozialen Hilfsdienste als Teil der Sozialstation stetig weiterentwickelt: von der hauswirtschaftlichen Versorgung und gelegentlicher Pflege in den Anfängen zu einem vielfältigen Dienstleister. Die ambulante Pflege nimmt heute einen breiten Raum in der Sozialstation ein, flankiert von Hausnotruf, Menüservice, hauswirtschaftlicher Unterstützung, vorübergehender Betreuung und Begleitung bzw. Fahrdiensten. Aktive Senioren treffen sich im ASB-Vitalzentrum zu gemeinsamen Aktivitäten; wenn die Möglichkeiten eingeschränkt sind, sorgt der Besuchsdienst für einen Gesprächspartner oder die Betreuung in der Tagespflege fördert den Pflegebedürftigen bzw. Dementen in der Gemeinschaft.

Rund 300 Personen werden aktuell allein im Bereich der Pflege betreut, insgesamt unterstützt die Sozialstation im Jahr über 1000 Menschen bei der Erhaltung ihrer Gesundheit oder der Genesung von Krankheiten. Die Zahl belegt die zunehmende Bedeutung der Bretzenheimer Sozialstation in den letzten 30 Jahren, eine Erfolgsgeschichte, die eng mit Erika Hentges verbunden ist, die als Pflegedienstleitung seit 28 Jahren die Geschicke der Sozialstation lenkt. Fachlich kompetent und zutiefst menschlich kümmert sie sich nicht nur um die Organisation dieser großen Abteilung, sondern verliert dabei den einzelnen Menschen, der Pflege oder andere Unterstützung braucht, niemals aus dem Blick.